Buffys Ursprünge
Wie den meisten bekannt sein dürfte, begann Buffys Erfolgszug 1996 als sie ihre eigene Serie erhielt, aber der erste Versuch, zu Ruhm und Erfolg zu gelangen, fand bereits einige Jahre früher statt.
Anfang des Jahrzehntes, genauer gesagt 1992, erblickte Buffy das Licht der Welt. Der aufstrebende Autor Joss Whedon, der hiermit sein erstes Skript überhaupt verkaufen konnte, hatte eine Vision: in gängiger Horrorware war das blonde Mädel stets nicht mehr als ein um Hilfe kreischendes und oftmals auch noch recht dummes Opfer. Doch hier sollte es anders sein. Buffy würde kein blonder Bimbo sein, sondern die aufrechte Heldin, die tatkräftig daran ging, sämtliche Vampire in ihrer unmittelbaren Umgebung unschädlich zu machen.
„Buffy, der Vampir-Killer“, wie der Film in der deutschen Fassung heißt, erzählt die Geschichte des jungen Mädchens Buffy (Kristy Swanson), das von eigenartigen Alpträumen, in denen sie immer und immer wieder gegen den bösartigen Vampir Lotos kämpfen muß, geplagt wird. Das trübt ihre Alltagsfreude aber nicht, sondern wird erst akut, als Merrick (Donald Sutherland) sie aufsucht und ihr erklärt, daß sie die Auserwählte ist. Zum Beweis führt er sie auf einen Friedhof, auf dem sie auch sogleich gegen zwei Blutsauger antreten muß. Nach bestandener Bewährungsprobe fügt sich Buffy unwillig in ihr Schicksal und wird von Merrick trainiert, auf daß sie in ihrer unausweichlich bevorstehenden Begegnung mit Lotos bestehen kann.
Während einem ihrer ersten Einsätze lernt Buffy auch Pike (Luke Perry), einen netten jungen Kerl, kennen, der nach dieser ersten Vampirattacke beschließt, Buffy bei ihren Abenteuern ein wenig zu unterstützen.
Als jedoch Merrick bei einer Konfrontation mit Lotos stirbt, scheint für Buffy der Moment gekommen zu sein, ihre Rolle als Jägerin (in der deutschen Synchronisation hieß es übrigens noch „Vollstreckerin“) aufzugeben.
Auf dem Schulball trifft sie wieder auf Pike, der in weiser Voraussicht einige Pflöcke mitgebracht hat, da es nicht lange dauert, bis die Vampire sich selbst zu diesem gesellschaftlichen Ereignis einladen. Buffy erkennt nun, daß sie ihrem Schicksal nicht entgehen kann und nimmt den Kampf auf. Gemeinsam mit Pike gelingt es ihr, die Bedrohung durch die Vampire zu vernichten, wobei dummerweise auch die Turnhalle ziemlich verwüstet wird. Für das neue Pärchen Buffy und Pike ist dies jedoch nebensächlich, als sie auf einem Motorrad dem Sonnenaufgang entgegenfahren.
Schon bei dieser kurzen Inhaltsangabe merkt man, daß sowohl Buffy als auch das Konzept als solches vom Kinofilm zur Fernsehserie eine große Entwicklung durchgemacht haben. Am offensichtlichsten ist dies übrigens bei Buffy selbst, die bevor sie zur Jägerin wird, wie ein exaktes Abziehbild von Cordelia wirkt. Sie umgibt sich mit oberflächlichen Freundinnen, interessiert sich nur für sich selbst und beurteilt alles daran, wie cool etwas ist und wie beliebt es sie machen kann. Zwar geht die Entwicklung von diesem Schicki-Micki-Mädchen hin zur Jägerin etwas schnell, aber im Verlauf eines Films bleibt auch kaum die Möglichkeit, all zu viel Zeit hierauf zu verwenden. Interessant ist dabei auch, daß Joss Whedon im Verlauf seiner Serie diesen Hintergrund nicht einfach verleugnete, sondern Buffy in der Episode „Aus den Augen, aus dem Sinn“ in einem Gespräch mit Cordelia auch gestehen ließ, daß sie in Los Angeles früher genau wie sie war.
Ein großer konzeptioneller Unterschied liegt bei der Rolle des Wächters und Mentors. Während Giles in der Serie ein normaler Mann ist, der freilich über enormes Wissen in Bezug auf alles Mystische verfügt, ist Merrick eine Art Unsterblicher, der immer wiedergeboren wird, um Jägerinnen auszubilden. Von daher scheint es im Film eher so, daß es nur einen Wächter gibt und nicht eine wie auch immer geartete Organisation (wenngleich man in der Serie bisher auch nur wenig über die Hintergründe einer möglichen Organisation erfahren hat).
Der letzte entscheidende Unterschied (von den teils weit alberneren Vampiren) ist das Fehlen eines Ensembles. Nachdem Merrick stirbt, bleiben Buffy und Pike alleine zurück während die Jägerin in der Serie sowohl auf ihren Mentor als auch auf ihre Freunde zurückgreifen kann. Dies ist natürlich ein Zugeständnis an die Serie, da diese mit einem etwas größerem Ensemble für gewöhnlich leichter zu realisieren ist während man bei Filmen gerne auf ein oder zwei zentrale Charaktere zurückgreift. Von besonderem Interesse beim Film ist aber der Charakter von Pike, von dem man sich wünschen würde, daß er bei der Serie einmal auftauchen würde. Immerhin ist es doch recht interessant, wie es mit dem Vampirjagenden Pärchen weiterging, bevor die Summers Los Angeles verließen und nach Sunnydale zogen.
Im direkten Vergleich dürfte man kaum jemanden finden, der den Film der Serie vorzieht, aber betrachtet man den Erstling für sich alleine, so ist er so schlecht wieder nicht. Zwar gibt es einige Szenen, die weniger überzeugen, eine Buffy, die vielleicht etwas zu alt wirkt und ein Vampir-Make-up, das keinem Vergleich mit den Masken der Serie standhält, aber als pure, vielleicht ein wenig trashige Unterhaltung kann der Film auch heute noch bestehen und zeigt ein wenig von der Vorgeschichte, die für die Serie freilich ein wenig umgeschrieben wurde.
Eine Art alternative Buffy eben, die einen Blick auf eine etwas andere Welt wirft und dabei schon die späteren Stärken der Serie erkennen läßt.


